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Cashless Challenge, die Zweite

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Nur Bargeld und auch dies nur eingeschränkt – Wenn Bezahlen zur Herausforderung wird

2018 haben die Finanz-Experten von Miles & More den Februar zum „Cashless Month“ erklärt. In diesem nehmen die Teilnehmer die Herausforderung an, einen Monat lang ohne Bargeld auszukommen. Betrachtet man die Challenge genau, fallen einem vermutlich umgehend Situationen ein, in denen man nicht um die Bargeldzahlung herumkommt. Da dies auch uns bewusst ist, bekommt jeder Teilnehmer zwei Joker, sogenannte Strikes, für Notfälle. Nach dem Dritten ist man raus. 

Spannender wird das „Experiment“, wenn man es wiederholt durchführt, um somit die Entwicklung zum Vorjahr, neben den zahlreichen Studien zu dieser Thematik, auch in der Praxis spiegeln zu können. Bevor wir unsere persönlichen Beobachtungen teilen, also eine kurze Auffrischung der Theorie: Die Bundesbank führt alle drei Jahre eine Studie zum Zahlungsverhalten in Deutschland durch. Zuletzt fand dies 2017 statt (hier nachzulesen), mit dem Fazit, dass 74 % aller Transaktionen bzw. 48 % des Gesamtvolumens in bar bezahlt werden. Die Ergebnisse unterstreichen die Aussagen vieler Experten: Deutsche lieben das Bargeld. Gleichzeitig ist jedoch zu betonen, dass sowohl die Anzahl der Transaktionen in bar, als auch das Gesamtvolumen in bar zum Vorjahr gesunken sind, während die Wachstumsraten moderner Zahlweisen hoch sind. Es kommt hinzu, dass im Laufe des Jahres 2018 Apple mit seinem Bezahldienst Apple Pay und Android mit Google Pay in Deutschland gestartet sind, was zumindest die Diskussion über eine bargeldlose Gesellschaft stark vorangetrieben hat.

Da unsere 11 Teilnehmer täglich mit der Thematik in Berührung kommen und die Trends präsent sind, waren wir, bevor der „Cashless Month“ in diesem Jahr also zum zweiten Mal durchgeführt wurde, ziemlich optimistisch, die Ergebnisse und Erfahrungen des Vorjahres verbessern zu können.  

Ob wir Recht behielten, schildern im Folgenden Verlierer und Gewinner unserer Challenge.  

Verliererin: „Ich war die erste, die flog. Verdammt!“

Ich habe dieses Jahr zum ersten Mal an der Challenge teilgenommen und bin außerhalb des „Cashless Months“ oft nur mit Bargeld oder den traditionellen bargeldlosen Zahlungsmitteln unterwegs. Meine Intention, an der Challenge teilzunehmen, war nicht, herauszufinden, wie sehr ich meine Pläne und mein Leben verbiegen und umorganisieren kann, um ohne Bargeld auszukommen. Vielmehr ging es für mich darum, herauszufinden, ob mein Leben ohne Bargeld möglich ist. Immer mal wieder ist in der Presse über Pläne zu lesen, das Bargeld völlig abzuschaffen. Theoretisch kann ich auf das Bargeld verzichten, ich habe jedoch gelernt, dass Händler und Dienstleister noch nicht bereit sind. 

Strike 1: Freitagnachmittag mal schnell mit den Kids in die Bücherei
Der kürzeste Weg in die Bücherei geht über das Parkhaus des direkt nebenan gelegenen Einkaufszentrums. Ich war bereit und voll motiviert, die Challenge durchzuhalten. Es war ja auch der erste Tag. Die Kinder habe ich erfolgreich an den öffentlichen Toiletten und kleinen Fahrgeräten, die nach Einwurf einer 50 Cent Münze in Betrieb gehen, vorbeigezogen. Sogar beim Bäcker habe ich darauf bestanden, mein Brot mit Karte zu zahlen. Die bemühte Fachverkäuferin hat meinem Wunsch entsprochen, auch wenn das Zahl-Terminal erstmal gesucht werden musste. Die Ernüchterung dann auf dem Rückweg ins Parkhaus am Kassenautomaten: Wenn ich mein Auto wiederhaben wollte, musste ich es gegen Bares auslösen. Habe ich auch gemacht und brav in der Cashless Gruppe „gebeichtet“. 

Strike 2: Besuch in der Cocktailbar
Zahlen im Restaurant funktionierte super. Anschließend ging es in eine Bar, in der normalerweise auch bargeldlos gezahlt werden kann. Verlassen kann man sich auf solche Aussagen jedoch nicht immer: Ausgerechnet diesen Samstag war das Terminal kaputt und sollte erst Montag repariert werden. 

Strike 3: Schwimmbad auf dem Land
Klar, ich hätte die doppelte Fahrtzeit in Kauf nehmen können und mich ins total überfüllte Spaßbad in Frankfurt quälen können. Aber warum? Lieber ins Dorfschwimmbad, in das ich jeden Sonntag gehe und in dem man wenigstens einigermaßen unbehelligt Bahnen ziehen kann. Dort wurde das Personal an der Kasse schon vor einiger Zeit durch einen Automaten ersetzt. Und genau der nimmt keine Karten an. Aus ist die Challenge.

Gewinner: „Auch dieses Jahr wieder durchgehalten. Aber es war nicht wirklich einfacher“ 

Auch ein Jahr später kann man in unserer Kantine nur bar bezahlen. Immerhin, die Auswahl an frischen und vor allem gesunden Gerichten im Supermarkt hat sich sehr zum Positiven entwickelt. Das lokale Arthouse Kino akzeptiert weiterhin keine Kartenzahlung, das konnte ich aushebeln in dem ich die Tickets online gekauft habe. Nur auf Popcorn musste ich leider verzichten. Ebenso auf den Besuch meiner Lieblingskneipe. In Frankfurt ist die Kartenzahlung zwar auch in der Gastronomie weit verbreitet, aber eben noch nicht flächendeckend. Bahntickets und Taxi per App buchen und bezahlen, funktioniert zumindest in der Stadt mittlerweile problemlos. Auch immer mehr Bäcker akzeptieren Kartenzahlung und zumindest am Flughafen und am Hauptbahnhof sind sogar die Snackautomaten umgerüstet. Hinzu kommt, dass eigentlich überall, wo Kartenzahlung akzeptiert wird, auch kontaktlos und dadurch ebenfalls mit Wearables und dem Smartphone bezahlt werden kann. Das war letztes Jahr noch anders. Größtenteils vorbei sind somit die Zeiten, in denen das Terminal hinter der Theke versteckt ist. Aber ganz ohne Bargeld sollte es bei mir dieses Jahr nicht funktionieren.

Strike 1: Besuch beim Eishockey
Es hätte wohl auch eine Hauptkasse gegeben, an der Kartenzahlung möglich gewesen wäre. Aber diese kurz vor Spielbeginn zu suchen, wenn man auch einfach bar bezahlen kann, war gegenüber der Gruppe, mit der ich unterwegs war, schwer zu verargumentieren. Außerdem war es ja nur der erste Strike. Im Stadion konnte man dann immerhin mit proprietärer Pre-Paid Karte bezahlen. Die musste zwar auch zunächst (mit Kartenzahlung) aufgeladen werden, aber wir sind ja sicher öfter hier.

Strike 2: Besuch in der Apfelweinwirtschaft
Gerade bei den größtenteils touristisch orientierten Apfelweinwirtschaften sollte man erwarten, dass Kartenzahlung möglich sei. Gleichzeitig sehen sich die Betriebe aber alten Traditionen verpflichtet. So kommt es, dass einige, so auch die von mir besuchte, leider weiterhin komplett auf Barzahlung setzen. Strike Nummer zwei und dabei blieb es dann auch. Gerade noch so durchgekommen.

Bestätigt unser Selbstexperiment die Ergebnisse der Studien und vorliegende Trends?

Das Leben ohne Bargeld ist in der Theorie möglich, aber man muss gut planen und Händler die ausschließlich Bargeld akzeptieren schlicht boykottieren. Dies führt in vielen Situationen zu Umwegen, die man nicht immer gehen möchte.
Anders als im Vorjahr ist dieses Mal keiner der Teilnehmer ganz ohne Bargeld ausgekommen und es gelang nur einem Teilnehmer mit lediglich einem Strike durch den Monat zu kommen. Haben letztes Jahr fünf Teilnehmer am Ende des Monats von sich behaupten können, die Challenge erfolgreich beendet zu haben, gab es in diesem Jahr bei gleicher Teilnehmerzahl nur vier “Sieger“. Insgesamt sieht unser Ergebnis also schlechter aus, als bei gleichen Bedingungen im Vorjahr.
Natürlich sind die Ergebnisse situationsabhängig und variieren mit dem Lebensstil einzelner Teilnehmer. Trotzdem kann nach unserem kleinen Selbstexperiment festgehalten werden, dass ein flächendeckendes Angebot bargeldloser Zahlweisen nicht vorliegt und auch in diesem Jahr der „Cashless Month“ immer noch als echte Challenge bezeichnet werden muss.

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