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Bargeldlose Zukunft? – Alles über digitale Zahlungsmethoden

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Bargeldlose Zukunft? (© Miles & More GmbH)

Nach Apple Pay und Google Pay kommt nun auch Alipay nach Europa. Der Bezahldienst des chinesischen Internetgiganten Alibaba erhielt kürzlich eine Banklizenz in Luxemburg. Damit kann er im Rahmen der Zahlungsdienste-Richtlinie PSD II als Drittanbieter unabhängig von Bankpartnerschaften auf die Kontoinformationen seiner Kunden zugreifen und Transaktionen ausführen. Auch Google sowie die britische FinTech Bank Revolut erhöhen mit ihren kürzlich erworbenen Banklizenzen den Druck auf europäische Banken. Mit weiteren Konkurrenten ist zu rechnen. Gleichzeitig befindet sich der Payment-Markt im Umbruch. Moderne Zahlungsmethoden erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. 

Vom Tauschhandel über Bares bis hin zum E-Geld

Zahlungsverfahren im weiten Sinne bestehen schon seit Anbeginn der Menschheit und haben sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt. Bereits 1.000 v. Chr. wurde der Tauschhandel – Ware gegen Ware – durch die Bezahlung mit Edelmetallen ersetzt. Diese mussten zunächst vor jedem Handel zur Wertbestimmung abgewogen werden, bis König Krösus (König der Lydier) 620 v. Chr. erstmals Münzen mit einheitlichem Wert mit Prägestempeln versehen ließ. Die Münzen, geprägt mit Löwe und Stier, gehörten zu den ersten Goldmünzen der Welt. Mit steigendem Handelsaufkommen wurden jedoch auch diese unhandlich. So wogen beispielsweise 1.000 silberne Zollvereinstaler (die bis 1871 kursierende Münze, deren Nominalwert dem Wert des Metalls, aus dem sie hergestellt wurde, entsprach) knapp 18 Kilogramm, während die Banknoten im selben Wert lediglich fünf Gramm ausmachten. Diese konnten außerdem aus günstigeren Materialien hergestellt werden. Der Wert eines solchen Geldscheines wurde durch die Goldreserven der herausgebenden Banken gedeckt, die schriftlich einen sofortigen Umtausch in Münzen zusicherten.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Geldschein in Europa als allgemeines Zahlungsmittel akzeptiert. Er fungierte, ähnlich wie der heutige Bar-Scheck, als eine Art Schuldschein, der jederzeit eingelöst werden konnte. Als Weiterentwicklung einer Zahlungsgarantiekarte wurde ab 1968 die Eurocheque-Karte ausgegeben. Sie ermöglichte ab Mitte der 1990er Jahre europaweit bargeldloses Bezahlen. Zur etwa gleichen Zeit drangen auch weitere Kreditkartenorganisationen auf den europäischen Markt; bis zur flächendeckenden Nutzung sollten jedoch noch einige Jahre vergehen.

Studien, unter anderem des EHI im Auftrag der Bundesbank, zeigen, dass der Anteil der Kartenzahlungen am Umsatz vor allem in den letzten Jahren auch in Deutschland zugenommen hat. Doch während die Konsumenten hierzulande immer noch bevorzugt am Bargeld festhalten, tüfteln Zahlungsdienstleister weltweit fleißig an innovativen Ideen, um Bezahlvorgänge noch transparenter und bequemer zu gestalten.

Apple Pay und Google Pay: Digitale Bezahlverfahren auf dem Vormarsch

Schaut man über die Grenzen Deutschlands hinaus, stellt man fest, dass in anderen Ländern digitales Bezahlen wie mit Apple Pay oder Google Pay bereits fest im Alltag integriert ist. Beide Dienste sind in mehr als 27 Ländern nutzbar. Bei Apple Pay und Google Pay werden mittels speziell generiertem Token, eine Art virtuellem Konto mit eigener Nummer, Kreditkartendaten bei der entsprechenden Bank hinterlegt. Bei Verlust des mobilen Endgerätes muss dann –anders als bei einer kontaktlosen Kreditkarte –lediglich das Token im Account gelöscht werden. Die angebundenen Konten sind nicht betroffen. Während Apple Pay ausschließlich auf Geräten des Herstellers verwendet werden kann, funktioniert Google Pay auf sämtlichen Android-fähigen Geräten (ab 4.4 Kitkat) und kann über beliebige Browser geöffnet werden. Ein großer Coup, gerade auf dem deutschen Markt, ist Googles Kooperation mit PayPal: Diese ermöglicht, alternativ zur Kreditkarte, auch Zahlungen über Girokonten abzuwickeln. Diese Option besteht bei Apple Pay bisher noch nicht.

Neue Player auf dem Markt

Mit Alipay will nun ein weiteres Bezahlsystem in den europäischen Markt einsteigen. Der Bezahldienst der chinesischen Ant Financial Services Group hält einen Anteil von über 60 Prozent an dem lokalen Payment-Markt und ist mit über 600 Millionen Nutzern und Akzeptanzstellen in 110 Ländern vertreten. Zum Vergleich: Apple Pay hat weltweit knapp 250 Millionen Nutzer. Einziges Manko: Die Alipay App gibt es, zumindest in vollem Umfang, bisher nur in Mandarin. 

Eine noch größere Community hat das zur Tencent Group gehörige WeChat Pay mit über 800 Millionen Nutzern. Diese Größe ist auf dessen Ursprung zurückzuführen: Originär ist WeChat eine soziale Kommunikationsplattform, die durch die Bezahlfunktion ergänzt wurde. Ein ähnliches Feature ist auch bei WhatsApp für den indischen Markt verfügbar.

Die flächendeckende Nutzung von Zahlungsmethoden wie Alipay oder WeChat Pay wird vor allem durch die gegebenen Strukturen auf den asiatischen Märkten begünstigt. Auf westlichen Märkten bieten sie, bedingt durch die gute Infrastruktur und eine hohe Verbreitung von Geldautomaten, nur schwer deutliche Mehrwerte gegenüber bereits etablierten Methoden. Ob die Giro- oder Kreditkarte gezückt wird oder lediglich das Handy, spielt eine geringfügige Rolle. Was die Geschwindigkeit des Bezahlvorgangs betrifft, haben diese Alternativen – wider Erwarten – sogar einen Nachteil gegenüber Barzahlungen: So geht aus einer weiteren Studie der Deutschen Bundesbank hervor, dass der bare Bezahlvorgang durchschnittlich 22,3 Sekunden dauert, während Kartenzahlungen mit PIN 29,4 Sekunden dauern, mit Unterschrift sogar 38,6 Sekunden.

Elektronische Zahlungsabwicklung ohne reguläres Bankkonto?

In anderen Teilen der Welt wiederum ist die Barzahlung oftmals die einzige Alternative, da die Mehrheit der Bevölkerung aus strukturellen oder finanziellen Gründen keinen Zugang zu einem regulären Bankkonto hat. Hier kann der sichere Versand von Geld – als Bezahlung im Onlineshop oder zwischen Privatpersonen – eine große Hürde darstellen. Dennoch ist es möglich, von den Vorteilen elektronischer Zahlungsmethoden zu profitieren, ohne ein Bankkonto zu haben.

Der kenianische Mobilfunkanbieter safaricom hat sich die weite Verbreitung von Mobiltelefonen und somit die Möglichkeit zur globalen Kommunikation zunutze gemacht: In Kooperation mit Vodafone bietet er das M-Pesa-System für Ein- und Auszahlungen von Bargeld über ein elektronisch geführtes Guthaben an. Die Transfers können über Mobilfunkgesellschaften, Tankstellen oder Supermärkte, die als sogenannte M-Pesa-Agents fungieren, per SMS initiiert werden.

Lösungen bieten auch das brasilianische Boleto Bancario und Oxxo Pay des mexikanischen Einzelhandelskonzerns. Mit Hilfe von ausgedruckten Vouchern können Online-Transaktionen in ausgewählten Läden bar bezahlt werden. 

Das System des deutschen FinTechs Barzahlen bietet ebenfalls eine solche Offline-to-Online Zahlungsmethode an: Geld kann über die Bareinzahlung bei Partnern wie Rewe, DM oder Real versendet werden. Das funktioniert auch ohne die Hinterlegung von Kontodaten im Internet. 

Unsichtbares Bezahlen und künstliche Intelligenz

Angesichts der neuesten Entwicklungen könnten auch die modernen Bezahlmethoden in Zukunft durch noch innovativere Alternativen ersetzt werden. Dank künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen sollen Bezahlvorgänge noch schneller und unkomplizierter werden. 

Vorreiter hierfür ist beispielsweise Amazon Go. In den Amazon Go Läden muss bei Betreten lediglich ein Code auf dem Mobiltelefon gescannt werden, alles Weitere geschieht wie von Zauberhand: Entnimmt man einen Artikel aus dem Regal, reagieren miteinander verknüpfte Sensoren und fügen den Artikel automatisch dem virtuellen Warenkorb hinzu. Beim Verlassen des Ladens wird eine Rechnung erstellt und der fällige Betrag abgebucht. Auch die Initiierung von Bezahlvorgängen anhand biometrischer Daten wie Spracherkennung oder Fingerabdrücken sollen künftig weiterentwickelt werden. 

So fließen Digitalisierung und analoges Verhalten immer mehr ineinander. Auf der einen Seite kann der virtuelle Einkauf bar bezahlt werden. Auf der anderen Seite ist es möglich, digital im stationären Handel, dem Point-of-Sale, zu zahlen. Es bleibt spannend, welche Trends sich langfristig durchsetzen werden. 

Vor allem auf dem deutschen Markt könnte die Sympathie für Bargeld und Datenschutz weiterhin über die Bereitschaft, sich auf neue Bezahlverfahren einzulassen, siegen. 


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